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Die Katz von dem alten, versilberten Mann um die Ecke ist an einer Nierenvergiftung gestorben. "Sie war mein ein und alles". Dann hol dir doch ne neue. "Ne, is mir zu viel arbeit."
9.1.05 14:26


Sie liegt wie eine Puppe in einem Raum im Parterrebereich der Mietswohnung, die ihre Tochter f?r sie angemietet hat. Drei mal am Tag wird die Puppe zum Leben erweckt, rechtzeitig zur Pflege morgens, mittags und abends. Kein Fernseher, kein Buch, kein Radio. Bettgitter, 647 Blumen auf der Tapete an der Wandgegen?ber des Betts, ein Tisch anstatt dessen. Ihr K?rper ist krank, er ist nurnoch eine H?lle, damit das Gewebe nicht verfliesst. Starkes Rheuma, Hepatitis, Verstopfung, Demenz. Der Beipackzettel des Medikaments, welches ich ihr eigentlich intramuskul?r verabreichen sollte (Rheuma - Bewegungsschmerzen - keine Bewegung - Muskelschwund - ..... intramuskul?r?), liest sich wie eine die Gebrauchsanleitung einer Biowaffe oder Inhaltsstoffe einer amerikanischen Fertigpizza. Ihre Finger sind v?llig schmerzverkrampft, durch den Schmerz, den sie nicht sp?rt, da das Durogesic-Pflaster das Empfinden beeintr?chtigt. Das breite Antibiotikum t?tet die Darmflora ab und die Pampers, sie selbst, das Bett und ich sind beschissen mit fl?ssigem Kot, zun?chst ?belriechend (bis man sich daran gew?hnt hat).
Auf der Shampoo-Flasche, mit deren cremigem Inhalt ich sie einreibe, um die H?lle zu erhalten, steht "Young Body Care".
26.10.04 23:29


Um die Ecke in einem Bau der fr?hen sechziger sitzt ein gealterter, versilberter Mann, etwa 20 Jahre ?lter als das Haus in dem er vegetiert. "Vegetieren" passt in diesem Zusammenhang sehr gut, denn der Mann wohnt nicht, er haust; die Wohnung ist keine, es ist eine Behausung, obwohl "Haus" absolut nicht in den bildlichen Zusammenhang passt.
Der Mann ist sehr korpulent, geht geb?ckt, immer in Schlafanzug. Die F??e und ein Gro?teil der Waden sind blau angelaufen, und die Luft aus der Wohnung schl?gt die Nase wie die Klatsche die Fliege. Die Katze scheisst in die Duschwanne und an sich sieht das Tierchen sehr gebeutelt aus. Der Spielautomat l?uft dudelnd und blinkend vor sich hin und tr?lltert seine immer gleichen Melodien; man geht ?ber br?selnden Estrich, der nur durch das Linoleum und den 70er-Jahre-Teppich verborgen bleibt. Plastikflaschen aus f?nf M?lls?cken verstr?men den Geruch der Mischung von Bier und Kunststoff, der mit den Aromen der Abfallprodukt einw?chiger Bakterienkulturen unter den Achseln des Mannes, dem Modergeruch des Schimmels in der Wohnung und der Katzenscheisse wunderbar diffundiert und als Droge die Nase und das Hirn f?r kurze Zeit l?hmt. Nach ein paar Minuten hat man sich an den Geruch gew?hnt; Menschen nehmen sowieso nur die Ver?nderung und nicht den aktuellen Zustand um sie herum sinnlich wahr.
Das Foto zeigt den Mann vor etwa zehn Jahren. Er selbst sieht genau so herunterkommen, die Katze genauso krank und die Wohung ebenso verdreckt aus wie eine Dekade sp?ter, beim Anblick wird man unwillk?rlich an den oben beschriebenen Aromennebel erinnert. Die Kollegin kommentiert ohne Gedanken: "Er hat sich aber gut gehalten".
26.10.04 23:05


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26.10.04 16:08





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